Nicht mehr zeitgemäß

Nicht mehr zeitgemäß

Von unserer Mitarbeiterin Regina Vossenkaul
06. Januar 2016
17:00 Uhr
Aktualisiert am:
11. Januar 2016
03:45 Uhr

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Königshöfer Museen: Dass die Schranne eine Zukunft hat und nicht etwa dem Rotstift zum Opfer fällt, wird allgemein begrüßt. Doch es muss einiges getan werden, damit die Ausstellungen attraktiv bleiben.
Überholtes Konzept: Ausstellungsstücke in Vitrinen locken nur noch einen sehr begrenzten Kreis von Museumsbesuchern an. Moderne Präsentationsmöglichkeiten und neue pädagogische Konzepte könnten mehr Leben in die Schranne bringen.FOTO: Regina Vossenkaul

Die grundsätzlichen Beschlüsse zum Umbau der Schranne, in der seit 1988 eine Zweigstelle der Archäologischen Staatssammlung München untergebracht ist, sowie zur Erneuerung des Konzepts sind gefasst (wir berichteten). Viele Königshöfer atmen auf und freuen sich, dass das Museum erhalten bleibt, das zu den Attraktionen der Stadt gehört und durch die Zusammenarbeit innerhalb des Netzwerks für Jugendkultur („jukunet“) eine wichtige Rolle im Bereich der Bildung und Freizeitgestaltung spielt.

Stadt und Landkreis sind für die baulichen Voraussetzungen zuständig, wobei es über die Städtebauförderung 60 Prozent Zuschüsse gibt – und weil es sich hier um ein Projekt innerhalb der Grabfeld-Allianz handelt, gibt es sogar 80 Prozent. Die Diskussion in den Reihen des Stadtrats über Unterhaltungskosten, unter anderem für Fahrstuhl und Klimaanlage, hatte einige Bürger befürchten lassen, das Museum werde nun doch geschlossen und Bad Königshofen um einen Leerstand reicher. Das ist nicht eingetroffen, und das wird allgemein begrüßt. Die Stadt ohne Museum – das können sich viele nicht vorstellen.

Michael Weigand sagt dazu: „Für mich ist die Entscheidung des Stadtrates wirklich beeindruckend. Hier zeigt sich, dass man als Bürger wahrgenommen wurde. Das Museum hat sich über die Jahre als bedeutendes Aushängeschild der Stadt präsentiert. Kulturelle Angebote sind für jede Gemeinde wichtig, da diese gerade für junge Familien in Bezug auf die Wahl des Wohnorts entscheidend sind. Deswegen bleibt zu hoffen, dass auch das am Museum hängende Kulturprogramm eine Zukunft hat.“

Auch Anke Behr ist froh, dass das Museum erhalten bleibt, weil sie es gut findet, dass Schüler dort eine Anlaufstelle haben, an der sie ganz in der Nähe etwas über die Kultur der Vorfahren lernen können, ergänzend zum Schulunterricht.
Jugendarbeit

Museumspädagogische Aktivitäten seien besonders wichtig, aber auch die Jugendarbeit ganz allgemein in Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum. „Ich mache beim Jazztanz mit und bin auch froh über das Raumangebot im Museumskeller. Das Museum ist auch für Kurgäste und Urlauber ein Ziel für die Freizeitgestaltung mit einem moderaten Eintrittspreis.

“ Wäre es zur Schließung des Museums gekommen – was wäre dann wohl mit dem denkmalgeschützten Gebäude passiert? Es würden ja trotzdem Unterhaltskosten anfallen.

Die Kinder von Maggy Göbel nehmen oft und gern an den Angeboten des „jukunet“ teil. Sie ist ohne Wenn und Aber für das Museum, wie sie bekundete. „Die Kultur der Vorfahren muss an die Kinder weitergegeben werden. Außerdem ist im Museum immer etwas los, und für die Kinder wird viel geboten, das ihren Horizont erweitert. Sie lernen ganz viel nebenbei und werden abgelenkt von Computer und Spielkonsole. Meine Kinder gehen immer gern dorthin. Sie sind unsere Zukunft. Wenn wir den Anschluss verpassen, interessieren sie sich vielleicht nie mehr für kulturelle Dinge.“

Kurdirektor Werner Angermüller sieht viele Vernetzungsmöglichkeiten, wenn das Museum umgestaltet ist und befürwortet die Investition. „Ich finde die Entscheidung absolut richtig – es gab für mich keine Alternative, um Bad Königshofen attraktiv zu erhalten.“ Das Museum sei schon immer eine Attraktion gewesen, die in die Programme und die Werbung mit einbezogen wurden. Auf Messen habe die Kurverwaltung die Prospekte des Museums mitpräsentiert und die Einrichtung bei der Frage nach kulturellen Angeboten beworben.

Die Nachfrage sei jedoch sehr zurückgegangen. Grund: Die Stammgäste kennen die Exponate schon, und wer zeitgemäß ausgestattete Museen kennt, in denen nicht nur Gegenstände in Vitrinen stehen, sondern der Besucher einbezogen wird, kann von dem alten Konzept nicht begeistert sein. Die Erneuerung, außen und innen, sei deshalb der einzig richtige Weg.

Die Kurverwaltung könne einen Beitrag dazu leisten, die Einnahmeseite wieder positiv zu entwickeln, meint der Kurdirektor, man müsse sich mit Museumsleiter Andreas Rottmann zusammensetzen und Angebote für Kurgäste entwickeln. „Ein gutes Beispiel ist die Frankentherme: Nach der Generalsanierung hatten wir doppelt so viele Besucher wie vorher.“ Angermüller ist sich sicher, dass die Stadt nach der Umbauphase „ein Juwel mehr“ zu präsentieren hat.
Modernisierung der Schranne

Der ehemalige Getreidespeicher des Klosters Wechterswinkel entstand in seiner heutigen Form im Jahre 1693. Jetzt werden Gebäude und Museumskonzept modernisiert. „Die kommunalen Partner sorgen für die Hülle, wir für den Inhalt“, erklärt Mathias Will von der Archäologischen Staatssammlung, die in der Schranne ein Zweigmuseen unterhält. Mit der inhaltlichen Gestaltung wurde das Stuttgarter Planungsbüro „Space 4“ beauftragt, das auf derartige Konzepte spezialisiert ist. Wie Architekt Jürgen Hess bestätigte, lehnt sich die inhaltliche Gestaltung an das Leitmotiv „Grenzen“ an, Bezug nehmend auf das benachbarte Museum für Grenzgänger, wird aber anders interpretiert. Einige Exponate werden wieder verwendet, neue kommen dazu. Das Keltengrab beispielsweise wird es in dieser Form nicht mehr geben. Sogenannte „Themeninseln“ sollen mit dem neuen Ausstellungskonzept, das einen Rundgang chronologisch von der Urzeit bis ins Mittelalter vorsieht, entstehen. Gegensätze werden dargestellt wie Jäger und Sammler, Ackerbauer und Nomaden. Wie waren die Vorstellungen vom Jenseits und wie beeinflussten sie Kultur und Bestattungsweisen? Auch das gehört zu den Themen, an denen die Planer arbeiten. regi
Der Innenhof der Schranne, die Verbindung der Museen, soll teilweise überdacht werden.

6933271_0_1KZQ8IFoto: Regina Vossenkaul