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SULZFELD

Scherben sind sein Glück

Der elfjährige Carlos Würtle aus Sulzfeld ist Hobbyarchäologe – Bereits wichtige Funde

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Geschichte kann im Grabfeld hautnah erlebt werden, in Keltengräbern oder Museen. Um die historischen Gegenstände auszustellen oder anzusehen, müssen diese erst einmal gefunden werden, was zum einen von professionellen Archäologen und zum andern von Hobbyarchäologen durchgeführt wird. Carlos Würtle aus Sulzfeld ist einer der Hobbyarchäologen, die fast täglich über die Felder streifen und nach historischen Fundstücken Ausschau halten.

Dies allein ist eigentlich nichts Besonderes, gibt es doch gerade in Bayern sehr viele Hobbyarchäologen. Wäre da nicht das Alter von Carlos, denn Carlos ist elf Jahre, fast zwölf, wie er mit Nachdruck erklärt. Damit nicht genug, den Carlos hat von Ralf Obst vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in der Außenstelle in Bamberg den Titel „offizieller Hobbyarchäologe“ erhalten. Obst ist für die Betreuung der ehrenamtlich in der Bodendenkmalpflege Engagierten in Franken und der Oberpfalz zuständig. Im letzten Jahr nahm Carlos an einer Tour in das Schloss Seehof teil, die von Andreas Rottmann, dem Leiter der Museen in der Schranne in Bad Königshofen, geleitet wurde und konnte dort dem Geschichtsexperten einige Fundstücke zeigen, die laut Aussage von Obst für die Gegend um Sulzfeld sehr interessant sind.

Eine Gürtelschnalle aus der Neuzeit, Keramik aus dem späten Mittelalter, kleine heidnische Figuren und unzählige Tonscherben aus den unterschiedlichen Epochen sind die Fundstücke, die der junge Nachwuchsarchäologe immer wieder mit nach Hause bringt. „Carlos hat schon immer Sachen mit nach Hause gebracht, wie Buben eben sind, aber Carlos hat immer Besonderes entdeckt“, erklärt seine Mutter Simone Würtele.

„Zwei Nachteile hat die Sache“, erklärt die junge Mutter weiter. „Zum einen ist seine Kleidung immer dreckig und seine Fingernägel ständig schwarz, es sei denn er hat gebadet, dann sind sie eine Stunde sauber, bevor er wieder das Graben anfängt“. Carlos stört das wenig und ist auch schon wieder verschwunden, um nach historischen und alten Gegenständen zu suchen. So kann es schon einmal passieren, das Carlos Knochen mit nach Hause bringt, die er bei Ausgrabungen gefunden hat.

Nicht immer sind es historische oder archäologische Fundstücke, die der junge Sulzfelder nach Hause bringt. Dachsgebisse, Rehgeweihe und andere manchmal auch kuriosen Funde sind die Ausbeute, wenn Carlos Würtele von einer Dorfrunde zurückkommt. Carlos hat den besonderen Blick, Gegenstände zu erkennen, an denen andere achtlos vorbeilaufen. Alte Reichsmark oder alte Knöpfe findet der Sammler immer wieder auf Feldern und Äckern, und natürlich allerhand Scherben.

So liegt es nahe, ein Praktikum in den Museen in der Schranne zu absolvieren, um sich tiefer mit der Materie vertraut zu machen. „Der Andi vom Museum hat mit viel erklärt und gezeigt“, zeigt sich Carlos noch heute begeistert von der Zeit im Museum.

Carlos meldet seine Fundsachen und gibt sie entweder im Museum in Bad Königshofen ab, oder, wenn er in Bamberg ist, auch schon mal bei Ralf Obst, der die Funde datiert und katalogisiert.

Für jeden Fund bekommt Carlos einen bestätigten Ausdruck, der ihn als Finder deklariert. Carlos weiß, wo er etwas gefunden hat und kann jeden Fund detailliert nachweißen und die Fundstelle auf der Karte anzeigen. Sein Lieblingsfund ist aber nach wie vor die Gürtelschnalle, die er wie einen Schatz hütet und auf die er besonders stolz ist.

Nach seinem Traumberuf zu fragen, ist eigentlich überflüssig. „Archäologe, aber praktischer, denn ich möchte nicht im Büro sitzen. Draußen ist es viel schöner beim Graben“, sagt Carlos und verschwindet sodann, um die Hügel und Felder rund um Sulzfeld nach Funden abzusuchen.

Von unserem Mitarbeiter Thomas Hälker