admin/ Dezember 9, 2009/ Allgemein/ 0Kommentare


In den Vorstellungen über Deutsche im Ausland taucht immer wieder der Begriff „Krauts“ oder „Sauerkrauts“ auf. Neben dem Bild vom vermeintlich typischen Deutschen, für den Sauerkraut ein Nationalgericht ist, verbinden sich mit Sauerkraut positive wie negative Assoziationen von Bodenständigkeit und vom Leben in ländlichen Regionen. Der Begriff beinhaltet Vorurteile und freundliche Etikettierung gleichermaßen.

Als unser Projektvorhaben einer Gruppe von Jugendlichen vorgestellt wurde, hatte es noch keinen Namen. In der Diskussion um das Bild, das Jugendliche, z.B. in den USA, von Jugendlichen hier haben, war „Sauerkraut“ einer der ersten spontan genannten Begriffe. Gleichzeitig wurde klar, dass Sauerkraut nicht unbedingt zu den von Jugendlichen bevorzugten Lebensmitteln gehört bzw. etwas ist, das sie mehr vom Hörensagen als aus eigener Erfahrung kennen.

Was ist noch dran an den konservativen Vorurteilen über uns „Krauts“? Wie sieht sich die neue Generation der „Krauts“? Wie sieht sie IHRE Region – auch in Relation zu anderen Regionen in Deutschland, Europa oder auch der Welt?

Wer Jugendliche und junge Erwachsene in Rhön-Grabfeld fragt, wie sie die Umgebung, in der sie leben, empfinden, bekommt meist zunächst zu hören „Hier ist nichts los“. Auf nähere Nachfrage entsteht dann jedoch ein differenzierteres Bild, eine oft enge Verbundenheit zur Region, in der sie aufgewachsen sind, und eine große Bandbreite an individuellen, durch die eigene Lebenssituation und Zukunftsperspektiven geprägten Aussagen.

Mit „Kraut 2.0“ startet 2010 ein Projekt, bei dem es um die Fragestellung geht, wie Jugendliche und junge Erwachsene die Region Rhön-Grabfeld sehen und erleben – den Ort, in dem sie leben, den Blickwinkel auf ihr Umfeld und sich selbst. Der Begriff „Kraut 2.0“ ist dabei das Bild für die „Sauerkrauts“ in neuer Rezeptur bzw. in der Interpretation der Jugendlichen und ist angelehnt an das „Web 2.0“, das eine neue Generation des Internets mit einer veränderten Wahrnehmung und einer vermehrt interaktiven Nutzung beinhaltet.

Für das Projekt Kraut 2.0 sind Jugendliche und junge Erwachsene dazu aufgerufen, mit den unterschiedlichsten Darstellungsmitteln, z.B. Videos, Fotografien, Zeichnungen, Collagen, Interviews, Blogs, Webseiten usw., ihre individuellen Eindrücke, Sichtweisen und Erfahrungen vorzustellen. Dabei sind Jugendliche als Einzelpersonen wie als Gruppe gleichermaßen angesprochen. Hinsichtlich der Themen und Inhalte ist eine große Bandbreite denkbar und gewünscht. Die Ergebnisse sollen auf verschiedene Weise und an unterschiedlichen Orten der Öffentlichkeit präsentiert werden, u.a. im Internet und im Rahmen einer Ausstellung.

Neben einem Bild über den Lebensraum aus Sicht der Jugendlichen will Kraut 2.0 Jugendliche dazu animieren, ihre Umgebung bewusst wahrzunehmen. Dies kann z.B. durch Ausflüge zu verschiedenen Orten in der Region geschehen. Die Jugendlichen sollen angeregt und unterstützt werden, ihren Lebensraum zu dokumentieren, und sie sollen die Möglichkeit erhalten und lernen, ihre Erfahrungen zu präsentieren. Dies schafft Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Jugendlichen und deren Lebenssituation und eine Basis zum Dialog mit Jugendlichen auf aller Welt.

In verschiedenen Kursen und Workshops können die Jugendlichen verschiedene Techniken der Dokumentation und Präsentation lernen. Im Programm der Volkshochschule Rhön und Grabfeld bieten sich im kommenden Semester hierfür z.B. die Kurse „Einfach besser fotografieren für Jugendliche“ unter der Leitung von Thomas Hälker und „HTML for teens – Webseiten bauen wie die Profis“ unter der Leitung von Andreas Hofmann an. Die Museen in der Schranne veranstalten in den Pfingstferien zwei Exkursionen, die die Möglichkeit bieten, neue Eindrücke von der Region zu gewinnen und zu dokumentieren: eine Grenztour mit Besuch des Museums für Grenzgänger und von Orten, an denen die innerdeutsche Grenze war, und eine Archäologische Tour, bei der Restaurierung gezeigt und ein archäologisches Bodendenkmal besucht wird-

Weitere Workshopangebote und Aktionen sind in Planung und werden über die vhs-Webseite, die Tagespresse und Flyer angekündigt. Informationen über den Stand des Projekts finden sich auch unter www.krautzwonull.blogspot.com. Wer mitmachen möchte, kann sich dort melden, Fragen stellen und in Kürze auch eigene Beiträge einstellen. Nähere Informationen zum Projekt sind auch erhältlich unter krautzwonull@googlemail.com.

Kooperationspartner für das Projekt Kraut 2.0 sind die Volkshochschule Rhön und Grabfeld, die Museen in der Schranne, die Stadt und das Jugendhaus Bad Königshofen sowie die Künstlerin Christine Wehe-Bamberger.

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